ADVENTSKALENDER 16. DEZEMBER Geschrieben Dezember 17, 2012 von Rebekka Siegwart

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Liebe Grüsse aus Kenia am 3. Advent!

Heute möchte ich euch von meinem gestrigen Tag erzählen, welchen ich an einer (nicht ganz traditionellen aber doch kenianischen) Hochzeit verbrachte. Ein guter Freund von mir mit Namen Paul Maina, welcher ein Mitarbeiter von GOA Kenya ist,  erzählte mir vor einigen Monaten von seinen Hochzeitsplänen mit Caroline Wambui. Dabei fragte er mich an, ob ich nicht eine seiner 8 Trauzeuginnen sein würde. Ich sagte interessiert zu und war gespannt, was da auf mich zukommen würde. Am letzten Mittwoch trafen sich alle 8 Trauzeugen und 8 Trauzeuginnen um das Vorgehen während der Hochzeit zu bespechen und um die Tanzschritte zu üben, welche wir beim Einmarschieren in die Kirche ausführen würden. Am Freitagabend versammelten sich alle Trauzeuginnen bei Caroline zuhause, während die Trauzeugen bei Paul zuhause übernachteten. Wir verbrachten die ganze Nacht damit, die Hochzeit zu planen, Nagellack aufzutragen, Frisuren zu machen und Lieder für die Feier zu üben. An Schlaf war nicht zu denken. All dies fand in einem einzigen Schlafzimmer statt, wo wir gemeinsam mit einigen Tanten und Schwestern die ganze Nacht verbrachten. Gegen morgen erhielten alle ein Becken mit warmem Wasser und dann hiess es die Trauzeuginnenkleider anziehen, die alle aus dem selben Stoff massgeschneidert waren. Auch die Braut wurde eingekleidet und auf den grossen Tag vorbereitet.

Um 10 Uhr hupte es laut vor dem Tor, und fünf Busse voll mit Hochzeitsgästen hielten vor dem Haus. Die Familienmitglieder von Paul waren gekommen, um die Braut aus dem Haus zu holen. Nachdem Caros Verwandte aus dem Inneren des Hauses und die Verwandten von Paul aussen am Tor für fast eine Stunde gesungen und getanzt hatten, wurde die Braut endlich entlassen und zum gschmückten Auto geführt. Nun ging es los in die GOA-Gemeinde in Nairobi, wo Paul und Carol Mitglieder sind. Nachdem alle Gäste dort eingetroffen waren, tanzten alle Trauzeugen sowie Braut und Bräutigang, Eltern und Pastoren durch die Menge zur Bühne, wo ein kleines geschmücktes Zelt das Brautpaar vor der heissen Sonne schützte. Dort wurde die Trauung vollzogen und die Ringe angesteckt. Ein Zertifikat wurde in Gegenwart der Trauzeuginnen und Trauzeugen ausgefüllt, welches nun beim Staat eingereicht werden muss, um die Ehe gültig zu machen (also genau umgekehrt wie bei uns).

Unter lautem Jubel der Gäste, mit Gesang und Tanz wurde das frischgebackene Ehepaar gefeiert, und nach einer kurzen Predigt und einigen Präsentationen wurden das Brautpaar und alle Trauzeugen sowie einige Blumenkinder zum Fotoshooting an einen kleinen See in der Nähe gefahren. In dieser Zeit wurden die Gäste reichlich mit Essen und trinken versorgt. Nach dem Essen fand die grosse Kuchenzeremonie statt, bei welcher sich das Brautpaar gegenseitig Kuchen füttern muss. Auch die Eltern und andere Ehrengäste wurden von ausgelassener Musik begleitet gefüttert und anschliessend wurde der ganze Kuchen verteilt. Nachdem alle eine Gelegenheit erhalten hatten, um dem Hochzeitspaar zu gratulieren wurde es Zeit,  die Geschenke zu überreichen (jemand brachte ein Bett in Einzelteile zerlegt, jemand anders ein Huhn und vieles mehr). Den Rest des späteren Nachmittags verbrachten die Leute mit weiteren Tänzen und gegen 18 Uhr endete die Feier offiziell. Wir Trauzeuginnen und Trauzeugen waren nach der schlaflosen Nacht, den vielen Tänzen und Gesängen, dem langen Stehen und der heissen Sonne fix und fertig, doch der Tag war erfolgreich und wir hatten viel Spass.

Wir freuen uns riesig für Paul und Caro und wünschen den beiden wunderschöne Filtterwochen. Morgen werde ich euch wieder mit einer neuen Geschichte hier begrüssen dürfen.

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