ADVENTSKALENDER 21. DEZEMBER Geschrieben Dezember 21, 2012 von Rebekka Siegwart

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Hallo zusammen!

In den letzten zwei Wochen habe ich, Michèle, GOA-Volontärin, in einem Spital in Nairobi gearbeitet. Ich möchte euch heute etwas von meinen Eindrücken und Erlebnissen berichten.

Das Arbeiten in einem kenianischen Spital ist komplett anders als bei uns in der gut organisierten Schweiz. Die Hygiene, die Organisation, der Ablauf von Verrichtungen, etc. Da ich auf der Notfallstation arbeitete, bekam ich so einiges mit: An einem Morgen zum Beispiel, um ca. 10Uhr, wurde eine 19 Jahre junge Frau halb bewusstlos ins Spital gebracht. Ihr Handgelenk war notfallmässig verbunden, ihr Gesicht gezeichnet von starken Schmerzen und einer ungesunden Vergangenheit. Wir hoben sie auf eines der Betten, welches nur durch einen leichten Vorhang von den anderen Betten getrennt war. Wir öffneten den Notverband und reinigten die Schnittwunde am Handgelenk auf kenianische Art. Der Arzt kam diesmal sehr schnell, wenn jedoch auch in bewundernswerter Ruhe Angesichts der fast abgetrennten Hand. Er nähte und ich assistierte. Die tapfere junge Dame hielt unter Schmerzen und bei vollem Bewusstsein hin. Danach wurde noch die ca. 20cm grosse Messerschnittwunde am Oberschenkel gereinigt und  genäht.

Dies alles wurde nicht an einem speziellen Ort durchgeführt, sondern in einem Bett in welchem zuvor schon fünf andere Patienten gelegen hatten. Als ich bei ihr zu Ende assistiert hatte, ging ich ans Nachbarsbett um einem Krankenpfleger zu assistieren, welcher eine Schnittwunde am Oberarm eines ca. 20Jährigen jungen Mannes behandelte. Trotz extremen Schmerzen versuchte er mich anzugrinsen und mit mir zu sprechen. Als ich nach den Verrichtungen das Material verräumte, fragte er mich, ob ich das kleine Messer, welches wir zuvor benutzt hatten, noch brauchen würe. Mit einem „ja“ liess ich es schnell verschwinden. Ich wollte mir nicht vorstellen für was er dieses Messer gebrauchen könnte…

Das ist schon eine extrem andere Welt. Strassenkämpfe, Messerstiche, Schnittwunden und Mordversuche; das gehört zum Leben von so vielen jungen Menschen hier in Kenia dazu. Solche Erfahrungen bewegen mich zutiefst, und umso mehr schätze ich die Arbeit von GOA. Die Präventionsarbeit die GOA leistet, indem Strassenkinder ein Zuhause erhalten dürfen, hat schon so manche Kinder und Jugendliche davor bewahrt, in Situationen wie die oben beschrieben zu geraten. Herzlichen Dank an alle, die sich für GOA engagieren.

Ich wünsche euch einen dankbaren Tag! : )

 Eure Michèle

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