Unterrichten in Tharaka Geschrieben Mai 23, 2013 von Rebekka Siegwart

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GGU – Bibel- und Hochschule in Tharaka

Hallo zusammen!

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Höchste Aufmerksamkeit im Klassenzimmer

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Toiletten

Seit Montag bin ich hier in Tharaka (Meru-District, Nordkenia), wo die GGU (GOA Global University) steht. Wenn man diesen Namen hört, fühlt man sich versucht, sich eine grosse Institution vorzustellen. Das soll es auch einmal werden, aber alles fängt einmal klein an… So ist GGU heute erst ein Wellblechhaus mit staubigem Erdboden im Schatten eines grossen Baumes – weg von der Zivilisation aber nahe bei den Menschen, die in ihrer Region ansonsten keine Möglichkeit haben, ein Studium zu absolvieren. In diesem Wellblechverschlag findet seit letztem Jahr jeden Monat eine Kompaktlernwoche für 20 Studenten statt – Pastoren und andere Verantwortungsträger der Region besuchen die Kurse mit höchstem Interesse und tiefster Hingabe.

Auch wenn die Teilnehmer viele dutzende Kilometer gehen und alle in einem engen Raum auf Matratzen am Boden schlafen  müssen um die Kurse besuchen zu können, hält sie dies keineswegs von ihrem Ziel ab. Viele Studenten sind bereits älter oder gar schon bald im Pensionsalter, aber noch genauso offen für Neues wie die jungen Teilnehmer. Ihre vielen Fragen, die unermüdlichen Hände, die in die Luft schnellen um Antworten zu geben, die Ausdauer beim Lernen und die Freude an ihren Erfolgen haben dazu beigetragen, dass mir die Männer und Frauen der GGU unglaublich ans Herz gewachsen sind.  Auch bei ca. 35 Grad im Schatten geben die Schüler alles, um die neun Lektionen täglich mit höchster Aufmerksamkeit mitzuverfolgen.

Ich unterrichte hier momentan einen einwöchigen Kurs mit dem Titel: Principles of Teaching (Grundlagen des Unterrichtens), was ich als ausgebildete Lehrkraft ohne grosse Mühe weitergeben kann. Nch einem Tag wie heute falle ich dann todmüde ins Bett, habe ich doch neun Stunden der Hitze getrotzt und alle nur erdenklichen unterrichtstechnischen Hilfsmittel angewandt, um die Stunden für die ebenfalls der Hitze trotzdenden Schüler so kurzweilig wie möglich zu gestalten.  Das Unterrichten auf meinem Fachgebiet macht mir jedoch grossen Spass und wir haben eine unglaublich bereichernde Zeit mit den Studenten hier.

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In dieser provisorischen Küche wird das Essen für die Studenten zubereitet

Ganz besonders danken wir an dieser Stelle der CGT (Christliche Gemeinde Töss), welche das GGU Projekt (früher GEBS) nun schon seit einem Jahr monatlich unterstützt und so am Leben erhält. Vielen Dank!

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Blick aus der Tür des Klassenzimmers: Die Schüler nehmen ihr Mittagessen draussen ein, wo es etwas kühler ist.

Ein besonderes Erlebnis hatte ich heute über Mittag. Eines der Kinder aus der nahegelegenen Schule, ca. 5 Jahre alt, kam auf mich zu, deutete auf meine Füsse und fragte in Swahili: Umeweka nini kwa migu? Umepaka hii rangi aje? Das bedeutet so viel wie: Was hast du mit deinen Füssen gemacht? Wie hast du diese Farbe da drauf gekriegt? Ich versuchte erfolglos zu erklären, dass es Menschen gibt, die mit dieser Hautfarbe geboren werden. Das Kind war fest davon überzeugt, dass ich da nachgeholfen haben musste, und begann, die vermeindliche Farbe von meinem Bein abzukratzen.

Auch mit meinem ganzen Swahili-Vokabular brachte ich das Kind nicht dazu, mir zu glauben, und so gestand ich schliesslich, dass ich die weisse Farbe heimlich auf Beine, Arme und Gesicht aufgetragen hatte und ich mich seither nicht mehr gewaschen hätte. Mit dieser Antwort war das Kind nun zufrieden undlief siegessicher davon….

So lerne auch ich immer wieder Neues dazu =)

So grüsst euch ganz herzlich aus dem heissen Tharaka,

eure Rebekka

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Der nahegelegene Kindergarten

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