Was mich zum weinen bringt… Geschrieben Januar 13, 2014 von Rebekka Siegwart

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Michael Odhiambo in seinem Zuhause…

Es gibt wenige Dinge, die mich zu Tränen der Freude rühren können. Doch ein Ereignis gestern brachte mich unweigerlich dazu:

Es war ein Sonntag wie jeder andere und ich hatte mich um 4 Uhr morgens auf den Weg von Kinangop (Waisenhaus Tumaini) nach Nairobi gemacht, wo ich um 9 Uhr ankam. Nach einer Dusche besuchte ich die GOA-Hauptgemeinde in Nairobi für den Gottesdienst, und da ich etwas spät dran war, fand ich bereits die Predigt. Wie erstaunt war ich, als ich keinen Pastor sondern einen unsere ehemaligen Waisenhausjungen am predigen fand. Es war Michael Odhiambo, ein Strassenjunge, der im GOA-Rehabilitationszentrum CCRC aufwuchs und letzten November die Sekundarschule abschloss.  Und nachdem er einige Verse aus der Bibel gelesen hatte, begann er aus seinem Leben zu berichten. Mit Tränen in den Augen erzählte er von seiner Vergangenheit.. wie es war, gemeinsam mit vier Brüdern von verschiedenen Vätern aufzuwachsen und mit zwei Jahren an der Beerdigung des eigenen Vaters teilznehmen. Wie es war, vom neuen Stiefvater als Nichtsnutz bezeichnet und auf die Strasse gestellt zu werden. Wie es war, über vier Jahre lang in den Strassen Naivashas und Nairobis zu leben, inklusive den einfallsreichsten Überfällen, Gefängnisaufenthalten, Bandenprügeleien und Verfolgungsjagden. Wie es war, für eine der kriminellsten Sekten Kenias mit Namen „Mungiki“ über zwei Jahre lang in einem Rucksack zu Fuss Kokain zu Schmuggeln, Wie es war, von Alkohol und Drogen versklavt zu sein. Und wie es war, mit 15 Jahren auf dem höchsten Gebäude Nairobis zu stehen, um dem sinnlosen Leben ein Ende zu bereiten.

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Ein Michael voller Hoffnung und Freude…

Alle Kirchengänger hingen an Michaels Lippen. Es herrschte absolute Stille. Es war heiss, den die Gemeinde befindet sich nicht in einem Gebäude sondern in einem einfachen Zelt, welches die Hitze staut. Michael rann der Schweiss über das Gesicht, doch er liess sich nicht davon abhalten, weiterzureden. Hoffnung erschien auf seinem Gesicht, als er nun den Teil seiner Geschichte erzählte, in welchem GOA in sein Leben kam. Wie er in CCRC aufgenommen wurde. Wie er zur Schule gehen konnte. Wie er lernte, was Liebe ist und dass er einen Vater im Himmel hat.  Und wie der 23-Jährige jetzt ohne Angst, mit Freude und Selbstsicherheit, mit Gewissheit seines Glaubens und mit einem lebendigen Zeugnis von Veränderung vor einer ganzen Kirche stehen kann. Sein Wunsch ist es, Pastor zu werden, und die heutige Gelegenheit war seine erste Übungsgelegenheit, die er mit Bravour gemeistert hat. Seine Geschichte sprach mehr als manche Predigt, zeigte sie doch ganz praktisch auf, dass  Gott Leben verändern kann, und dass es sich lohnt, sich für andere einzusetzen!

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Die Jungs aus CCRC… Michael als zweiter von Links.

Oft ist uns nicht bewusst, wie massgebend und umfangreich wir die Leben dieser Kinder und Jugendlichen in unseren Waisenhäusern verändern, mit dem was wir dank Gott durch GOA tun dürfen. Michaels Geschichte hat mich daran erinnert und mir einige Freudentränen in die Augen getrieben. Nur schon für ein verändertes Leben hat sich die ganze Arbeit gelohnt!

Ich wünsche euch hiermit eine gesegnete Woche und hoffe, dass auch ihr ab und zu eine Träne der Freude verdrücken dürft.

Herzlichst grüsst euch,

Rebekka

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Gemeinsam mit Michael letztes Jahr kurz vor seinem Schulabschluss

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