Unbenannt

AUS SCHWEIZER SICHT…

Liebe Freunde

Vor wenigen Tagen habe ich euch einen kleinen Einblick in die Familienkonferenz in Kenia gewährt. Alles was ich euch über die erlebnisreichen Tage für unsere Partnerorganisation in Kenia berichten konnte, entnahm ich ihren Erzählungen und Bildern, da ich selbst nicht anwesend war. Einer unserer Volontäre war jedoch die ganze Woche vor Ort und lässt uns heute an seinen Erlebnissen teilhaben.

Ein Bericht von Achim M. (Volontär bei GOA Schweiz)

Dieses Jahr durfte ich während meinem Freiwilligeneinsatz mit GOA in Kenia Teil der Familien Konferenz sein. Für mich persönlich war es eine unglaublich interessante und lehrreiche Zeit. Ich selber reiste mit Pamela, der Hausmutter des Waisenhauses CCRC, und mit fünf der älteren Jungs an. Die Konferenz fand in einem Internat bei Ngong, am Rande von Nairobi statt, welches in den Ferien jeweils leer steht. Insgesamt waren bestimmt bis zu 200 Menschen da, von denen ein Großteil Pastoren der verschiedenen GOA-Gemeinden waren.

Die Konferenz begann am Montag 25.4. für alle Waisenhausleiter und Verantwortlichen im Kinderbereich. Am Morgen nahmen wir an einem Unterricht zum Thema „Gedichte lehren“ teil. Der Unterricht gefiel mir sehr, da er darauf abzielte, dass die Kinder Gedichte von sich aus lieben lernen und sie nicht nur schreiben und präsentieren, weil sie müssen. Der Lehrer hat fünf Hauptaufgaben: Er ist der Visionsträger, der Lehrer, der Erzieher, der Ermutiger und der Freund. Sowieso wird hier dem Schreiben und Vortragen von Gedichten/Liedern und dem Schauspielern ein besonderer Wert beigemessen und man sieht direkt, dass viele der Kinder unglaublich viel Talent in diesem Bereich haben. Deswegen wurde auch der ganze Nachmittag dazu verwendet, den Rahmen der Präsentationen für die alljährliche GOA-Kinderkonferenz im Sommer zu besprechen.

Am nächsten Tag begann die Konferenz dann für alle weiteren Interessierten. Der Tagesablauf war immer ähnlich: Die Vorträge am Morgen waren zu bestimmten praktischen Themenbereichen, wie Familie und Gemeinde, Teamwork oder Leitung. Allerdings wurde ich direkt nach dem ersten Tag als Sonntagsschullehrer akquiriert, da es kein besonderes Programm für die Kinder gab. So hatte ich die Möglichkeit den ganzen Morgen Zeit mit den Kindern zu verbringen, zu spielen, zu singen und ihnen etwas beizubringen. Darüber freute ich mich sehr, da es sehr anstrengend war, den ganzen Tag zu sitzen und Vorträgen zuzuhören. Bei den Präsentationen am Nachmittag wurden dann die verschiedenen Bereiche von GOA vorgestellt oder verschiedene Stammeslieder in den verschiedensten Sprachen präsentiert. Ein Workshop handelte davon, wie die Gemeinden und die Waisenhäuser besser zusammenarbeiten können. Da jeder Programmpunkt aber meist deutlich länger ging als geplant, war am Schluss kaum mehr Zeit für Sport. Nach dem Abendessen ging es ruckzuck weiter und nach dem letzten Programmpunkt fiel ich meist todmüde ins Bett.

Für mich persönlich war es ein einmaliges Erlebnis, alle Bereiche von GOA besser kennenzulernen und viele neue Menschen zu treffen. Sehr interessant für mich war, wie sehr GOA durchstrukturiert und durchgeplant ist.

Besonders interessant war das Meeting mit den früheren Waisenhauskindern. Alle Jugendlichen, die ab 18 die Waisenhäuser wegen der Regierung verlassen müssen, werden weiterhin von GOA finanziell und persönlich betreut. Da nach der Sekundarschule in Kenia der unglaublich schwere Wechsel von der Schule zur Arbeit und Ausbildung/Studium stattfindet und ein großer Teil hier den Sprung zu einer geregelten Arbeit nicht schafft, ist diese Begleitung von grosser Bedeutung. Die Jugendlichen haben einen Ansprechpartner im GOA-Büro. Es finden drei Mal jährlich Meetings mit ihnen statt, in denen sie sich austauschen und sie ermutigt werden. Und da dies während der Familienkonferenz stattfand, durfte ich teilnehmen. Gerade in diesem Bereich hat mich GOA sehr überzeugt, da sie nicht nur den Waisenhausbereich abdecken und sich danach nicht mehr um die Jugendlichen kümmern, sondern Bildung und Betreuung auch für Erwachsene anbieten. So hat GOA beispielsweise auch einen Sacco, eine Art Bank, in welcher die Mitglieder ihr Geld sparen können und dann bei Krankheit oder Investitionen das 3-fache des eingezahlten Betrages abheben können. Auch arbeiten sie mit einer Versicherung zusammen und versuchen ihren Mitgliedern eine Krankenversicherung zu vermitteln. Außerdem kümmert sich das Leadership Department darum, dass Pastoren und Führungspersonen geschult werden.

Auf der Konferenz habe ich einen großen Teil der über 40 verschiedenen Stämme Kenias kennengelernt. Es waren zum Beispiel Personen von den Turkana, Massai, Luo, Kikuyu, Kamba und noch einigen anderen Stämmen da. Das ist eine grosser Errungenschaft, besonders jetzt vor den Präsidentschaftswahlen im Sommer, da es große Konflikte zwischen den einzelnen Stämmen gibt und GOA dadurch einen aktiven Beitrag zum Frieden leistet. Ich finde die verschiedenen Stämme mit ihren unterschiedlichen Kulturen sehr bereichernd und Dank ihnen habe ich jetzt 3 kenianische Namen: Onyango (Luo), Karanja (Kikuyu), Lamayan (Massai). So war es mir nie langweilig, weil ich ständig mit neuen Menschen reden konnte und da GOA sich auch über die Landesgrenzen hinaus bemüht, waren Teilnehmer aus Äthiopien, Uganda, Kongo und sogar Uganda da.

Es war für mich selbst eine unglaublich schöne, lehrreiche und spannende Zeit und ich kann jedem nur empfehlen, einmal Teil dieser Konferenz zu werden.