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DAS KLEINE MÄDCHEN AUF DER STRASSE…

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An das laute, bunte, spontane Alltagsleben in Kenia kann man sich gut gewöhnen. Auch an das eher eintönige, aber gesunde Essen. Und an die brütend heisse Sonne zur Mittagszeit ebenfalls.

An ein Bild habe ich mich jedoch seit meinem ersten Keniaaufenthalt nicht gewöhnen können: Die allgegenwärtigen Strassenkinder in Nairobi. Wenn man an der Bushaltestelle steht. Wenn man auf dem Markt Einkäufe erledigt. Wenn man Freunde in der Stadt besucht. Immer sind sie da.

Vorwiegend Jungs jeden Alters mit dreckigen Kleidern, gläsernen Blicken, hungrigen Bäuchen und rauhen Umgangsarten. Jeder trägt seine kleine Flasche mit Leim mit sich, an der unablässig geschnüffelt wird, und im Abfall am Strassenrand wird nach Essensresten gesucht.

Jedesmal packt mich bei diesem Anblick der Wunsch, all diesen Kindern helfen zu können. Gleichzeitig bin ich mir aber auch immer bewusst, dass nicht allen geholfen werden kann. So bleibt mit oft nicht viel anderes übrig, als mir einfach einige Minuten für die Kinder Zeit zu nehmen, ihnen ab und zu etwas Brot und Milch zu kaufen, und für sie zu beten. Letzte Woche kam es jedoch anders:

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Gerade waren wir mit dem Filmteam aus der Schweiz in einer beschäftigten Gasse in Nairobi und drehten eine Szene für den Film Wajibu. Sechs Jungs aus dem Waisenhaus CCRC hatten sich dazu als Strassenjungs verkleidet und spielten das Leben, welches früher ihr eigenes war. Sie sollten auf einer Mauer sitzen und miteinander plaudern, so das Drehbuch. Doch bald traute ich meinen Augen nicht mehr, als auf der Mauer plötzlich sieben, acht, neun, zehn Jungs sassen. Diese waren nun nicht gespielt, sondern waren einige der Strassenkinder, welche mir bei meinen Stadtgängen schon oft gefolgt waren.

Kurzum waren wir von über 30 Strassenkindern umringt, welche alle auf eine Chance warteten, uns zu sagen, dass sie heute noch nichts essbares gefunden hatten. Mein Blick fiel jedoch besonders auf ein kleines Mädchen, welches kaum 3 Jahre alt war. Zuerst war ich mir sicher, dass dies kein Strassenkind sein kann, denn wie würde ein so kleines Mädchen diese Umstände überleben.

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Doch ich wurde eines besseren belehrt, als sich wenig später ein etwa 16-jähriges, schmutziges, leimschnüffelndes Mädchen als die Mutter des Kindes vorstellte. Sie lebt gemeinsam mit ihrem Töchterchen in den Strassen von Nairobi und kennt kein anderes Zuhause. Durch den Einfluss von Drogen ist die junge Mutter nicht fähig, auf das Kind aufzupassen und so geht das kleine Mädchen regelmässig in den Strassen der Millionenstadt verloren, wie uns einige Anwohner erzählten. Ihr Bein wies zudem Brandwunden auf und sie schien unterernährt. Ich traute mir nicht vorzustellen, was dem jungen Leben blühen würde, wenn es erst einmal sechs oder sieben Jahre alt würde und dem Missbrauch in den Strassen Nairobis ausgesetzt würde...

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Während wir weitere Szenen des Filmes aufnahmen, wanderten meine Augen immer wieder zu dem kleinen Mädchen, welches nun vor Müdigkeit neben einem Müllhaufen eingeschlafen war. Und plötzlich wusste ich, dass wir diesem Mädchen nicht umsonst begegnet waren. Man kann nicht die ganze Welt verbessern, aber manchmal erhält man eine Möglichkeit, die Welt eines Kindes zu verändern.

Vorgestern habe ich das kleine Mädchen Hannah und dessen Mutter Sundae nun nochmals besucht, und wir sind im Gespräch, wie die beiden die Strasse für immer verlassen und in einem unserer Waisenhäuser ein Zuhause erhalten können. Genau deshalb gibt es GOA...

Wir wollen als GOA Schweiz weiterhin dazu beitragen, das Leben gerettet werden dürfen.

Aus Kenia,

eure Rebekka

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