EIN SCHULSYSTEM KOMMT AN SEINE GRENZEN
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Vor einigen Jahren führte der kenianische Staat einen neuen Lehrplan ein. Das war zunächst sehr erfreulich, war der bestehende Lehrplan doch schon sehr veraltet und auch in Kenia wollte man weg vom vielen auswendig lernen hin zu verknüpftem, handlungsorientierten Unterricht. Doch mit dem neuen Lehrplan kamen auch Änderungen in den Schulstufen hinzu. Die Primarschule sollte nun nur noch sechs anstatt acht Jahre dauern, die Sekundarschule nicht mehr vier sondern dafür sechs. Damit hatten die Primarschulen plötzlich zu viele, die Sekundarschulen zu wenig Klassenzimmer, und eine Umnutzung war nicht erlaubt. Viele Sekundarschulen, auch unsere, bemühten sich sehr, bauliche Massnahmen zu treffen um diese Veränderungen umsetzen zu können, doch als der Staat nach einem Jahr bemerkte, dass viele Schulen dies nicht ganz umsetzen konnten, änderten sie das ganze System nochmals, teilten die Sekundarschule in zwei Blöcke von je drei Jahren ein und schoben die ersten drei Sekundarschuljahre wieder zurück in die Primar, - als sogenannte Junior High School. So blieben in der oberen Sekundarschule nun nur noch drei Jahrgänge - im Fall der GOA-Sekundarschule nur noch drei Klassen- zurück. Als GOA Kenya im vergangenen Herbst ausrechnete, wie viele Lehrer sie in Zukunft nur für diese drei Klassen anstellen müssten, um alle Fächer abzudecken und wie gross die weiteren Kosten für den Betrieb der Schule wären, wurde bald klar, dass dies nicht mehr durch die Einnahmen von Schulgeld gedeckt werden könnte. Die Organisation müssten jedes Jahr massiv mit Spenden nachhelfen, um die Schule über Wasser zu halten und um weiterhin eine Bewilligung zu erhalten. So entschied sich GOA Kenya schweren Herzens, die drei letzten Sekundarschuljahre vorerst nicht mehr anzubieten, bis klar ist, ob der Staat auch dieses System wegen mangelnder Umsetzungsmöglichkeiten wieder verwerfen würde oder ob sich für die Zukunft gute Lösungen abzeichnen könnten. Schade, aber sicherlich für den Moment die bessere Lösung. Wir sind gespannt, wie es weitergehen darf und verfolgen die Entwicklungen im Land.
Erfreulich ist, das die Primarschule sowie die drei ersten Sekundarschuljahre weiterhin bei GOA besucht werden können, die Klassen gut ausgelastet sind, trotzdem alle Zimmer in Gebrauch sind und dass alle Jugendlichen, die in einer der drei oberen Sekundarschulklassen waren, in eine andere externe Schule umgeteilt werden konnten. Da unglaublich viele Schulen in den vergangenen zwei Jahren ihre Türen schliessen mussten, grenzt es wirklich an ein Wunder, dass alle einen Platz bekommen haben.
Manchmal ist es nicht einfach zu akzeptieren, dass der Staat so hohe Anforderungen stellt und sich nicht darum bemüht, bei der Umsetzung mitzuhelfen. Doch wir wollen trotzdem vertrauen, dass immer wieder die richtigen Türen auf oder zu gehen und unsere Kinder trotzdem ihren Weg machen werden.