ERSTE UMFRAGE-ERGEBNISSE AUS DEN KINDERHEIMEN
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Nach der Durchführung der seit langem geplanten Umfrage unter den Kindern in den Heimen, den Mitarbeitenden und den Jugendlichen in und nach Berufsausbildungen sind nun die ersten Ergebnisse da. Die Erkenntnisse aus dieser Umfrage werden GOA Kenya aber auch uns hier in der Schweiz in den kommenden Jahren begleiten und uns dabei helfen, unsere Unterstützung für Kinder und Jugendliche noch besser zu gestalten.
Die Umfrage wurde von GOA Schweiz und GOA Kenya gemeinsam mit Hilfe von Fachpersonen erstellt. Es wurden Fragen ausgearbeitet, welche Hinweise darauf geben können, wie es den Kindern, Jugendlichen und Mitarbeitern geht und wie wir sie noch besser unterstützen können. Besonderer Wert wurde darauf gelegt, nicht nur physisches Wohlbefinden zu befragen sondern auch psychische, mentale, soziale, geistliche und geistige Aspekte miteinzubeziehen. Diese Fragen wurden zu Fragebögen zusammengefasst und dann einer externen Expertenfirma in Kenia übergeben, welche solche professionellen Umfragen durchführen und auswerten. So konnten wir einerseits Neutralität aber auch Anonymität gewährleisten, was für den Erfolg der Umfrage von grosser Wichtigkeit ist. Diese Experten besuchten die Kinderheime und liessen die Kinder und Mitarbeitenden unter Anleitung die Fragebögen ausfüllen. Für die Jugendlichen in und nach Berufsausbildungen wurde der Fragebogen digitalisiert und per Email verschickt. Danach sammelten die Experten die Fragebögen, sahen sie sich an und erarbeiteten gemeinsam mit einem Expertenehepaar aus der Schweiz gezielte Folgefragen, welche dann mündlich noch gestellt werden konnten. Dies ist besonders da wichtig wo es sehr gute oder sehr schlechte Ergebnisse gab. Dann wurden diese gezielten Fragen verschiedenen Kindergruppen aus den Heimen sowie einer Gruppe Jugendlicher aus dem Berufsausbildungsprogramm gestellt, welche sie dann ausführlich mündlich beantworten konnten. Dieser qualitative Teil der Umfrage wurde protokolliert und gemeinsam mit den Ergebnissen der schriftlichen Umfragebogen ausgewertet.
Die Ergebnisse sind sehr umfangreich und es wird noch lange dauern, bis wir alles im Detail durchgearbeitet, erfasst und für die Umsetzung aufbereitet haben. Folgende Themen sind uns aber bereits ins Auge gesprungen, da sie bestätigen, was wir bereits aus der Erfahrung vermutet haben und für uns wichtige Faktoren sind, die wir sobald als möglich angehen möchten:
STÄRKUNG DER MITARBEITENDEN
Die Umfrage unter den Mitarbeitenden fiel sehr positiv aus und es wurde oft erwähnt, dass sie ihre Arbeit bei GOA sehr schätzen. Es wurde aber auch ersichtlich, dass es mehr Personal in den Heimen vertragen könnte und auch der Wunsch nach Weiterbildung war gross. Auch bei den Arbeitsbedingungen könnten wir noch etwas zulegen, indem wir mehr arbeitsfreie Tage bewilligen, mehr Möglichkeiten schaffen um ihre Kontakte ausserhalb des Heims zu pflegen und indem wir sofern es finanziell möglich ist den Lohn etwas erhöhen.
STÄRKUNG DER KINDER
Die Umfrageergebnisse unter den Kindern fielen je nach Kinderheim etwas unterschiedlich aus. Die meisten physischen Grundbedürfnisse sind schon gut abgedeckt und man erkennt, wie viel Fortschritt in den vergangenen Jahren gemacht werden konnte in Bezug auf Unterkünfte und Infrastruktur, Essen, Bildung und Betreuung. Doch der Wunsch nach mehr Spielsachen, nach mehr Mitbestimmung, mehr Kontakt mit der Community, mehr Gelegenheiten um Talente zu nutzen und Stärken zu entwickeln wurde doch von vielen Kindern geäussert. Es gibt einige Kinder, die angegeben haben, dass nicht viele ihre Vergangenheitsgeschichte kennen und sie diese nicht teilen können oder dass sie nicht so Vertrauenspersonen haben. So können Traumas nicht aufgearbeitet werden und bleiben bestehen. Auch unter den Kindern wurde erwähnt, dass es recht wenig Mitarbeitende hat und für diese manchmal noch mehr Schulung zu Themen wie Disziplin, Fairness unter den Kindern oder Ansprechen von Tabu-Themen hilfreich wären.
STÄRKUNG DER JUGENDLICHEN
Die Jugendlichen gaben ebenfalls sehr viel positives Feedback; sie scheinen die Unterstützung, die sie von GOA erhalten haben, wirklich sehr zu schätzen und sind dankbar, dass sie unter so guten Umständen aufwachsen und sogar eine Ausbildung machen durften. Es wurde aber auch hervorgehoben, dass sich doch noch einige im psychischen Bereich herausgefordert fühlen und dass der Verlust von Eltern oder die Trennung von Familie sie bis heute in ihren Beziehungen mit anderen prägen und belasten. Viele gaben an, dass sie sich stigmatisiert vorkamen durch das Aufwachsen in einem Heim und dass dies manchmal bis heute anhält. Zudem seien Traumas oft noch nicht überwunden und einige erwähnen, dass sie ungesunde Gewohnheiten in ihrem Leben haben die sie gerne loswerden möchten. Noch mehr Mentoren die sie im Leben und in der Bewältigung der Vergangenheit unterstützen können oder die im gleichen Berufsfeld tätig sind um ihnen beruflich weiterzuhelfen, wären für viele hilfreich.
Wir sind dankbar, dass wir mit hier gesammeltem Fachwissen, mit unseren eigenen Erfahrungen von GOA Schweiz, mit dem Vermitteln von Experten aus der Schweiz und mit finanzieller Unterstützung mithelfen konnten, dass GOA Kenya diese Umfrage durchführen konnte. Wir sind sicher, dass das dadurch gesammelte Wissen wegweisend für die Zukunft ist und wir so noch besser für die Kinder und Jugendlichen sorgen können.
Ganz herzlich danken wir GOA Kenya für die Offenheit, diese Umfrage zu unterstützen, den Experten Walter und Mara Berger aus der Schweiz für ihre Mitarbeit und den Experten vor Ort in Kenia für die Durchführung.
Für die Umsetzung von Massnahmen die aus dieser Umfrage resultieren brauchen wir jedoch eure Unterstützung. Im nächsten Jahr werden wir einige der obengenannten Punkte herauspicken und konkrete Schritte planen, wie wir in diesen Gebieten Fortschritte erzielen können. Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit euch noch mehr Hoffnung in die Leben dieser Kinder und Jugendlichen zu bringen, indem wir nicht aufhören zu lernen, zu verbessern und zu investieren.