Lehrerstreik in Kenia Geschrieben September 29, 2015 von Rebekka Wehrli

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Kenya Teachers marching in the street  of  Nairobi during the  Strike holding  banners  in  Nairobi, Kenya,Tuesday Sept, 6. 2011. More than 200,000 Kenyan teachers went on strike on Tuesday to protest the diversion of government funds meant to hire more teachers for overcrowded classrooms, said the chairman of the country's biggest teaching union. The money has gone to the ministry of defense instead, whose spending is not publicly scrutinized.(AP Photo/Khalil Senosi)

Der anhaltende Lehrerstreik in Kenia

Vor vier Wochen gingen in Kenia die Schulferien zu Ende. Doch die Schulen sind noch immer geschlossen, das bunte Treiben auf dem Schulhof ist seit den Ferien nicht zurückgekehrt. Grund dafür ist ein nationaler Lehrerstreik. Davon betroffen sind über elf Millionen Kinder, all jene nämlich, welche eine staatliche Schule besuchen. Darunter sind auch die meisten Kinder aus den GOA-Waisenhäusern. Was für mich und alle anderen Volontäre durchwegs gelegen kommt, da wir so den ganzen Tag mit den Kindern verbringen können. Doch schlussendlich sind es die Kinder, welche am meisten unter diesen Umständen leiden.

Ein Lehrerstreik ist in Kenia nichts Aussergewöhnliches. So gab es in den vergangenen sieben Jahren nicht weniger als acht Streiks. Auch die Jahreszeit ist typisch: Da die Primar- sowie Sekundarschulabgänger bereits in einem Monat ihre nationale Abschlussprüfung ablegen sollten, steigt so der Druck auf die Regierung, den Forderungen der Lehrergewerkschaft nachzukommen. Diese bezieht sich unter anderem auf ein Versprechen der vorherigen Regierung aus dem Jahre 1997, nach dem die Lehrer 300% mehr Lohn erhalten sollen. Weiter sollen zusätzliche Lehrer eingestellt werden, damit die Klassengrösse von heute durchschnittlich 50 Schülern auf 40 reduziert werden kann und temporär Angestellte sollen ebenfalls fix angestellt werden. Die Regierung um Uhuru Kenyatta fürchtet jedoch, dass ein entsprechendes Entgegenkommen eine Kettenreaktion auslösen könnte und so andere Staatsangestellte dem Beispiel der Lehrer folgen könnten. Doch bereits heute fliessen 65% der Staatsausgaben Kenias in die Lohnkasse der Staatsangestellten. Die beiden Fronten sind also ziemlich verhärtet. So kämpfen nun die beiden Parteien vor dem obersten Gericht, doch ein Ende scheint nicht in Sicht zu sein. Die Unruhe und die Unzufriedenheit aller Beteiligten, seien dies Lehrer, Eltern oder Kinder, steigen zunehmend. So schliessen nun bereits erste Privatschulen aus Sicherheitsgründen. Ob die staatlichen Prüfungen planmässig durchgeführt werden können ist mehr als fraglich.

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Unsere Kinder aus dem Waisenhaus Beat the Drum in Schuluniform

Dieser verbitterte Kampf zwischen Lehrergewerkschaft und Regierung hält mir vor Augen, dass Schulbildung eben nicht überall so selbstverständlich ist wie in der Schweiz. Viele Kinder in den GOA Waisenhäusern konnten in ihrer früheren Kindheit ebenfalls nicht zur Schule gehen. Nun erhalten sie jedoch diese Möglichkeit, was ihnen das Tor zu einer besseren Zukunft öffnet. Meine Hoffnung ist, dass bald eine Lösung gefunden wird und auch unsere Kinder wieder zurück zur Schule gehen dürfen. Damit dieser Streik nur als kleine Verschnaufpause, als Randnotiz in den Lebenslauf der Kinder eingeht.

Herzlichen Dank, dass ihr in dieser schwierigen Situation im Gebet an alle Beteiligten und Betroffenen denkt.

Matthias Gertsch
(Für GOA Schweiz in Kenia unterwegs)