Patenreise III: Zeit mit dem Patenkind Geschrieben Juni 21, 2018 von Matthias Gertsch

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Liebe Freunde,

heute schildert euch Walter Berger seine Eindrücke vom Waisenhaus Rehema, wo er im Zuge der Patenreise sein Patenkind Rose einige Tage lang besuchen konnte:

„Meine Frau Mara und ich haben seit rund zwei Jahren Patenkinder namens Patricia und Rose, welche beide im Heim Rehema leben. Bis anhin war Kontakt eingeschränkt und bestand aus dem Austausch von Briefen, Fotos und kleinen Geschenken, was uns beide nicht ganz befriedigte. Nun, nachdem wir im Rahmen der Patenreise vier Tage zusammen mit Patricia und Rose, weiteren 18 Kindern und ihren Heimeltern Susanne und Justus in Rehema verbracht haben, sind wir um einige Erfahrungen und Erlebnisse reicher. Was in Briefen manchmal etwas gar programmatisch und floskelhaft daherkam, nahm nun konkret Sinn und Gestalt an, und es ergab sich ein abgerundeteres Bild. Wir durften unsere Patenkinder im Alltagshandeln, im Schulunterricht, im Gebet, im Spiel und im direkten Gespräch kennenlernen.

Es war für mich höchst beeindruckend, wie rücksichtsvoll, friedlich und fröhlich sich das Zusammenleben ganz unterschiedlicher junger Mädchen in Rehema gestaltet. Die meisten Kinder waren sehr zugänglich und neugierig gegenüber uns Besucherinnen und Besucher. So wurden meine feinen Härchen am Unterarm zärtlich gestreichelt oder meine Operationsnarbe am Knie wie auch die fehlenden Haare auf dem Kopf warfen Fragen auf.

Alles hat im Tagesablauf seine gute Ordnung: Arbeiten fürs Gemeinwohl wie Kochen, Aufräumen und Putzen sindje nach Fähigkeiten und Neigungen verteilt und doch eröffneten sich auch viele individuelle Freiräume. Die Kinder und Jugendlichen fühlen sich sichtlich wohl, sie dürfen ein nahezu angstfreies Leben führen und erfahren durch ihre Heimeltern, Volontärinnen, Nachbarn und Besucher viel Zuwendung und persönliche Anregung. Sie haben genug zu essen, dürfen sich sicher fühlen und lernen viel fürs spätere Leben: beim Zusammenleben in dieser wunderbaren, lebendigen grossen Familie, im Garten, im Haushalt und in der Schule. Diese hat gerade für den Hausvater Justus einen sehr hohen Stellenwert, und beim Schulbesuch zeigte er seinen Stolz, dass die meisten Rehema-Schülerinnen einen vorzüglichen Leistungsstand aufweisen.

Und besonders wichtig scheint mir auch, dass die Kinder Gottes Nähe spüren, dass sie sich als Gottes Kinder geliebt fühlen, dass sie auf Gottes Gnade und Barmherzigkeit vertrauen dürfen. Dass sie sich auf ein Leben mit Gott einlassen und mit Seinem Segen, Seiner Güte und Seinem Beistand rechnen wollen, war für mich eine wertvolle Erfahrung.

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Nicht verschweigen möchte ich, dass ich auch eher lebensbehindernde Beobachtungen gemacht habe: Die langen Wachzeiten von morgens 6 Uhr bis abends 10 Uhr erachte ich als wenig kindergerecht, vor allen für die Jüngeren. Und dass sie in der Schule laufend in einem Ranking-System herumturnen, empfinde ich als zutiefst unsozial im Wissen, dass der Schulerfolg in hohem Masse vom familiären Umfeld, den Erbfaktoren und der Kompetenz der Lehrperson abhängt – also Grössen, welche die Kinder mit eigener Kraft kaum beeinflussen können.

Insgesamt blicke ich mit grosser Dankbarkeit und tiefem Respekt gegenüber der positiv angelegten Lebenskompetenz auf Rehema zurück. Ich habe erkannt, dass es eine gute Sache ist, als Sponsor eine Rolle im Leben meines Waisenkindes Rose zu spielen, und ich werde mit ganz anderen Mitteln versuchen, eine unterstützende Beziehung mit ihr zu pflegen. Auch ein jährlicher Besuch wäre sicher sinnvoll.

Meine Reise hat auch mein Vertrauen in GOA Kenya gestärkt. Hier sind tolle, tatkräftige Menschen, wie die ganze Familie des Bischofs oder Matthias, Esther und Phyllis und weitere Angestellte im Headoffice am Werk, die sich mit Leib und Seele sowie viel Knowhow für die kenianischen Waisenkinder einsetzen: einfach toll, was hier Gutes, Sinnvolles geleistet wird!“

19. Juni 2018, Walter Berger